Liebesgedichte

Als wir uns trennten

Als wir uns doch trennten,
sagtest du zum Schluss:
Und trotzdem war es schön.

Unten vor deinem Haus
sah ich nach oben.
Du standest nicht wie sonst
am offenen Fenster.

Nur die weiße Gardine
blähte sich plötzlich
und winkte mir, wild
im Winde flatternd, nach.

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angst zu lieben

ich habe angst dich zu lieben

der letzte mann vor dir
enttäuschte mich tief
ihm folgte ich fand
mich nicht wieder
war anders als vorher
nicht mehr ich nicht gut

alles an dir mag ich so
begann es auch damals
würdest du offensichtliche
fehler besitzen müsste ich
nicht fürchten dir ganz
und gar zu verfallen

ich habe angst dich zu lieben

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Aprilbeginn

Die Birken tragen
zartgrüne Schleier.
Rot treiben Pappelblüten aus.
Ganz oben im Baum
genießt eine Elster
die wärmende Sonne.
Ich müsste mich freuen…
Und denk doch bedrückt
an die trauernde Freundin,
die vor einem Jahr
um diese Zeit
ihren Mann verlor.

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Arglos

Arglos ist deine Liebe,
wie ein Kind, das im Grase liegt,
in den Himmel sieht und träumt
mit silbernen Wolken zu ziehn.

Als hättest du wirklich keine Angst,
unterwegs die Liebe zu verlieren,
wie ein Kind, dass in der hohlen Hand
Waldhimbeeren nach Hause bringt.

Arglos ist deine Liebe.
Da du der deinen wohl sicher bist,
fragst du nicht nach der Beständigkeit
der meinen. Arglos wie ein Kind.

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belagerung

ich bestürme dich
wie eine festung
die sich verteidigt
gegen meine liebe
immer neue mittel
setze ich ein
dich zu erobern
weil du mir mehr bedeutest
als nur den sieg
über deine zweifel
es ist keine niederlage
wenn du die weiße
fahne hisst werde ich
alle meine waffen
niederlegen und dich
lieben

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Bittermandelduft

Die winzige Bucht
in den Felsen.
Platz für zwei Körper.
Die Quelle,
dem Berg entspringend.
Kaskaden
von rotem Oleander.
Bittermandelduft.
Du und ich:
Zwei silberne Fische,
spielend im Meer.

Als müssten wir uns nicht
schon morgen trennen.

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dammbruch

ich habe einen damm errichtet
gegen deine liebe
damit mich die flut nicht verschlingt
was mich an dir verstört und
meine bedenken gegen diese liebe
alles habe ich aufgetürmt vor mir
nicht schwach zu werden
gegen dich und deine liebe
jetzt sehe ich das wasser
an so vielen stellen
den damm durchdringen
weiß mir nicht zu helfen
zögernd warte ich
was geschieht

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Der Betrunkene mit der Rose

Jeden Tag
bricht der Betrunkene
eine rote Rose
in den städtischen Anlagen.

Stelzbeinig
steigt er in den Bus.
Setzt sich, die Mütze
ins Gesicht geschoben,
und dreht die Rose
zwischen den Fingern.
Die Leute lachen über ihn.
Dann steigt er aus.
Geht zum schon lang
bekannten Haus
und steckt die Rose
in den Briefkastenschlitz.

Sie kommt spät,
fasst die welke Rose
mit spitzen Fingern
und wirft sie beiseite.
Jeden Abend.

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Der Knopf

Als wir uns vormittags trafen,
konnte ich meinen Blick
nicht abwenden
von deinen schönen Augen.

Beim Abschied bemerkte ich
den losen Knopf
an deinem Jackenärmel.
Und mich rührte, dass dir dies
als Frau passierte.

So dachte ich
den ganzen Nachmittag
an deine Augen
und sorgte mich, dass du
den Knopf nicht verlierst.

Denn es ist ein schöner Knopf
an der schönen Jacke
einer schönen Frau.

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Der Kuss

Dieser Kuss überraschte
dich sichtlich.
Du stehst starr,
siehst mich verwirrt an.
Unter heftigem Atmen
hebt und senkt sich die Brust.
Schnell küss ich dich erneut.
Jetzt lehnst du dich an mich.
Ohne noch lang zu überlegen.

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Die Vogelkirsche

Heute sehen wir uns
unter der Wildkirsche.

Du presst dich an den Stamm,
als wolltest du nicht nur mit mir,
auch mit ihm verwachsen.
Deine Küsse,
gestohlen einem anderen,
schmecken bittersüß.
Wie die roten Kirschen
über uns am Baum.

Trotzdem lieben Vögel sie.

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Du schenktest mir

Du schenktest mir
einen roten Rosenstrauß.
Was lange niemand tat.
Ich stellte ihn aufs Fensterbrett.
So schaut er für mich hinaus.
Als warte ich, du kämst
recht bald wieder vorbei.

Ich seh den schönen Strauß
oft am Tage an, voll Bangen,
es könnten die Rosen verblühn.

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Erinnerung

Er ging fort.

Alle seine Sachen
habe ich vor die Tür gestellt.
Alle Fotos von uns
habe ich verbrannt.
Alle meine Namen für ihn
und seine Namen für mich
habe ich für immer vergessen.
Nichts mehr erinnert an ihn.

Heute fand ich
ein zerknülltes Hemd
von ihm.

Und habe mein Gesicht
in seinem Geruch vergraben.

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es ist was

es ist was zwischen ihnen
man sieht es ihnen an
die lange verweilenden blicke
wie zufälligen berührungen
einander spiegelnden gesten
im verharrenden schweigen
zueinander strebenden körper
es ist was zwischen ihnen

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Februarabend

Nebeldunst. Nach plötzlich tauendem Frost.
Nur mühsam durchdrungen vom flackernden Licht
der Straßenlaternen: dichtes Schneetreiben jetzt.
Und du so fern von mir, im Warmen.

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Ferienliebe

Auf dem Gehweg
komme ich angeradelt.
Mit ausgebreiteten Armen
stoppst du meine Fahrt.
Ich schreie auf.
Das Fahrrad legst du
auf den Rasen
und umarmst mich.
Alle Leute ringsum
sehen zu.
Ich lege meinen Kopf
an deine Brust.
Du hebst mein Kinn
und küsst mich zärtlich.
Schnell radle ich davon.

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Frage

An diesem Tag im Juli.
Wir standen im Schatten
der kleinen Platane.
Gelehnt
an den Stamm
sahst du mich
unverwandt an.
In deinen Augen
las ich die
unausgesprochene Frage.

Warum dehnten wir
das Gespräch?

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fürchte dich nicht

wehre dich nicht gegen die liebe
wenn sie denn kommt
du weißt nicht wann einmal wieder
du ihr begegnest es könnte
das letzte mal sein dass sie dich trifft
fürchte dich nicht vor der liebe
wehre dich nicht

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Gansäugige

Blauäugige, du.
Dein wachsamer Blick mahnt:
Verletze mich nicht.
Du Wildgans mit rauher Stimme.
Die sagt: Ich folge dir. Aber nur
frei, selbstbestimmt.
Und warnt: Enttäuschst du mich,
fliege ich fort und komme
nie wieder.
Ich sehe dir in die Augen
und weiß: Du meinst es
wirklich so.

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heute

heute bin ich bei dir
morgen bei ihm
und übermorgen allein
zuhause
ihr müsst einander nicht
überbieten in eurer liebe
zu mir
ich will mich nicht entscheiden
zwischen euch
darf eine frau denn nicht
zwei männer lieben

heute bin ich bei dir

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Ich möchte

Ich möchte mich wieder
einmal verlieben können
nach langer Zeit,
wo ich es nicht tat.
Ich möchte mich wieder
einmal verlieben dürfen:
nur in dich.
Dir tief in die Augen schaun.
Und hoffen, dein Blick
hält meinem Blicke stand.
Wenn wir so ineinander
versinken, wird Liebe möglich.

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Ich schrieb dir

Ich schrieb dir viele Lieder.
Sie trafen nicht dein Herz.
Nun irren sie
heimatlos umher.
Womöglich finden sie
eine Frau,
die sie mag,
ohne mich zu kennen.
Und die mich
gern kennen würde.
Aber nie treffen wird.

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ich wollte nicht

ich wollte dich nicht lieben
weil du einer anderen gehörst
ich nicht stehle

du sagtest
dein herz sei groß genug
zwei frauen zu lieben
kein verbrechen

ich wollte auch nicht teilen

jetzt dulde ich deinen kuss
erwidere ihn sogar

und ich wollte dich doch
nicht lieben

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Im Regen

Gestern Abend saß ich
im Buswartehäuschen.
Ein Gewitter grollte
über der Stadt.
Die Lichter der Autos tanzten
über die nasse Straße.
Plötzlich sehnte ich
mich nach dir.
Wünschte, du sitzt
neben mir, wir halten
einander an den Händen,
du legst den Kopf
auf meine Schulter,
wir sehen in den Regen.
Und ich weiß doch:
Es wird nie geschehn.

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Kein Zweifel

Kein Zweifel, dein Zauber schwindet.
Süß wie Flieder, der verblüht.
Ich warte nicht mehr
täglich auf Post von dir
und schreib dir nicht mehr
jeden Tag lange Briefe.
Doch bleib ich dir für immer
verbunden, in tiefer Freundschaft treu.

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Mädchenspiel

Als du heute
früh gegangen warst,
spielte ich
ein altes Mädchenspiel.

Am Teich hinterm Dorf
brach ich
einen Weidenzweig.
Zupfte die Blätter:
Er liebt mich.
Er liebt mich nicht.
Er liebt mich…

Er liebt mich nicht.
Er liebt mich.
Er liebt mich nicht.

Und brach
den nächsten Zweig.

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nähere dich besser nicht

du solltest meinen worten
nicht trauen sie lügen
und verschweigen sagen
die wahrheit oft nicht

auch meine gesten täuschen
versuche nicht sie zu deuten
einmal beherrsche ich mich
ein andermal nicht

ich bin wie ein leuchtturm
der unzuverlässig blinkt
du könntest an der küste sicher
landen auch zerschellen

ich bin wie trockener zunder
so leicht entflammbar
das feuer könnte uns wärmen
beide auch verbrennen

so müsste ich dich warnen
doch tue ich es nicht

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Nein

Du sagst: nein.
Und ich frage mich:
Ist das nicht doch ein:
vielleicht ja?
Wäre es nicht besser,
du sagtest:
Nein, ich kann dich
nie lieben.
Deine Nase ist
einfach zu groß.
Aber heute, im Zeitalter
von Schönheitsoperationen,
wäre dies keine kluge Antwort.

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Novembernacht

Novembernacht.
In der Ferne bellt
seit Stunden ein Hund.
Ich kann nicht schlafen.
Das Bett neben mir ist kalt.
Seit du für immer gingst,
habe ich dein Bettzeug
nicht gewechselt.
Doch langsam
verfliegt dein Duft.

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Regen wispert

Regen wispert draußen
in Büschen und Bäumen.
Wie damals, als wir uns unter
der großen Kastanie küssten.
Nass dein Gesicht,
die langen Haare.
Und zum ersten Mal
dieses Gefühl von Glück.

Am Morgen fällten sie unseren Baum.
Nur der Nieselregen erinnert mich
ab heute noch an dich.

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Schneegewisper

Schneegewisper nachts
am Fenster. Dein Atemhauch
an meiner Schulter.

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Schneereicher Winter

Dies wird
ein schneereicher Winter.
Sagen sie.
Heimlich
durch den Hohlweg
komme ich dann nicht
zu dir.
Übers freie Feld
muss ich
auf alten Skiern
und die Dorfstraße entlang.
Wenn Gardinen
beiseite gezogen werden.

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Sehnen

Eintönig schlägt nachts
Regen ans Fenster.
Ich liege einsam
träumend wach.
Und sehne mich
nach einer Fremden
seltsam vertrautem Blick.
Nach einer Fremden
verwirrend duftender Haut.
Nach einer Fremden Hand,
die meinen Körper streichelt
und einer Fremden Mund,
die meinen zärtlich küsst.

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Uns trennen

Uns trennen, sagst du,
zu viele Jahre.
Es kann nicht gut gehen
mit uns beiden.
Als du noch
mit Puppen spieltest,
war ich schon ein Mann.
Liebe, was soll
dies Gerechne?
Du bist eine Frau
und ich bin ein Mann.

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Verknallt

Meine Enkelin, acht Jahre alt,
sagt: Oma, ich glaube,
Opa ist in mich verknallt.
Recht hat sie.
Ich bin verliebt in sie,
wie sie in zehn, zwanzig Jahren
sein wird: eine kluge, schöne Frau,
und traurig,
da ich es nicht mehr erlebe.

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Warum sagtest du nein?

Warum sagtest du zögernd nein,
als ich dich fragte,
ob du mich liebst?
Ich seh doch
deinen Augen an:
Du sagst die Wahrheit nicht.
Hast du Angst vor Folgen?

Deine Gefühle für mich
schickst du in die Warteschleife,
als wärest du ein Kundentelefon.
Fürchtest du nicht,
ich lege einfach auf,
ohne noch länger
zu warten?

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Was ich will

Du fragst mich
warum ich dir nicht
Geliebte sein will,
wo du doch spürst,
ich mag dich.

Ich will den Mann meiner Wahl
auf der Straße küssen dürfen.
Ich will Hand in Hand
mit ihm gehen.
Mich nicht verstecken.
Ich will morgens
neben ihm aufwachen
und ihn nicht nachts
nach Hause schicken müssen.
Ich will mit ihm Frühstück
und Abendbrot essen.
Ich will das Wochenende
mit ihm verbringen und nicht nur
ein, zwei Stunden in der Woche.

Darum, mein Lieber,
tauge ich nicht
zu deiner Nebenfrau.

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Was sie wissen darf

Sie darf wissen,
dass ich es mag,
wenn sie mir ein Glas Wasser
reicht, den Durst fühlend,
den ich spüre.

Sie darf wissen,
dass ich es mag,
wenn sie mich heftig umarmt,
da ich noch nicht wage,
sie zu berühren.

Sie darf wissen,
dass ich es mag,
an sie zu denken, am Tag
und in der Nacht,
schlaflos träumend.

Sie darf wissen,
dass ich sie mag,
was ich seit langer Zeit
keiner anderen Frau
gegenüber gestand.

Sie darf wissen,
dass ich wohl in sie
verliebt bin. Was könnte sonst
mich wünschen lassen,
sie zärtlich zu küssen?

Das alles darf sie wissen.

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Was trieb dich

in die Arme dieses Mannes?
Flucht vor mir,
mit zurückgewendetem Blick?
Ist es besser, den zu umarmen,
der dich nicht liebt, nur begehrt,
und ihn zu empfangen im Bett.
Als meine verzehrende Liebe
zu fürchten. Wolltest du ihr
so entgehen?
Meinen fragenden Augen.
Sag, war es das wert?

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