Naturgedichte

Gluckenangst

Die Glucke zählt beim
Ausgang die Küken. Im Gebüsch
lauert der Habicht.
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Listige Kirschernte

Jahrelang plünderten die Stare
meine süße Glaskirsche.
Und ich hatte nichts von den Früchten.
Dies Jahr sann ich auf eine List.
Im Frühling hing ich
einen Starenkasten in den Baum.
Diese Vögel benehmen sich sittlich.
Sie achten der Artgenossen Eigentum.
Jetzt sitze ich täglich unterm Kirschbaum,
trinke genüsslich ein Bier,
höre dem Schwätzen meines Pärchens
zu und amüsiere mich,
wie es „seinen Baum“ bewacht.
So nützen wir uns gegenseitig.
Was stört mich der Eimer Kirschen,
den das Paar und die Jungen vertilgen?
Wo ich doch in Ruhe
zehn Eimer voll ernte und einkoche.
Zwar schimpfen darüber meine Gäste.
Doch die obere Baumhälfte
bepflücke ich nicht.
Soll ich mir den Hals brechen?
Erst als ringsum alle Bäume leer sind,
fallen die vereinigten Heerscharen
bei mir ein. Schmunzelnd ergebe ich mich
und vergebe leichten Herzens ihnen.

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Krähenfrage

Die Krähe auf dem Dachfirst.
Sie wetzt den Schnabel.
Äugt nach links, äugt nach rechts.
Womit den Tag beginnen?

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Krähenlust

Märznieselregen.
Die Krähe schaukelt auf dem
dünnen Pappelzweig.

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Sommertragödie

Den durstigen Vögeln
stellte ich einen Wassernapf
auf den Rasenplatz.
Auf der Jagd im Grasdschungel
ertrank der Goldlaufkäfer.

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Vorbei

Maimorgen. Fünf Uhr.
Auf dem Gartenweg paaren
sich zwei Tauwürmer.
Eine Amsel hüpft suchend
über die Beete. Vorbei.

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Winterende

Der harte Winter
ist zu Ende.
Auf dem flachen See
taumeln letzte Eisschollen.
Befreit stürmen
die Wellen an Land.
In den Weidenbüschen
am Ufer
tanzen Fischgerippe.