Neue Prosa

Die Treppe

Alles wollte sie, nur dies nicht. Sie kannten sich seit Monaten. Aber sie kam mit seinem wechselhaften Benehmen, diesen abrupten Gefühlsschwankungen, einfach nicht klar. Dabei war er durchaus liebenswürdig, nur eben manchmal abweisend, als käme sie ihm zu nahe. Sie begriff nicht, wie er tickte. Und je mehr sie sich bemühte, ihn zu verstehen, desto mehr verschloss er sich ihr. Heute nun, das war der Höhepunkt. Sie stritten sich wie üblich über etwas Belangloses und plötzlich drehte er sich um und ging einfach.

Den ganzen Nachmittag grübelte sie über ihre Beziehung. Sie liebte ihn, trotz allem, und wollte ihn nicht aufgeben. So haderte sie mit sich selbst; aber schließlich fuhr sie, es war schon dunkel, zu ihm. Vorher war sie dort noch nie gewesen. Seltsamerweise trafen sie sich immer bei ihr.

An der Haustür des Backsteinhauses drückte sie auf seine Klingel. Er meldete sich nicht. Da wählte sie einfach irgendeinen Klingelknopf, gab sich als Havariehilfe der Hausverwaltung aus und schlüpfte hinein. Im Treppenhaus roch es nach Bohnerwachs und Kohleintopf. Sie stieg die knarrende Holztreppe hinauf. Dass es solche Häuser noch gab!

Vor seiner Wohnungstür angekommen, klingelte sie mehrmals, aber es rührte sich nichts.

Sie beschloss, auf dem Treppenabsatz zu warten. Irgendwann würde er schon kommen. Und so setzte sie sich hin, schrieb ihm eine WhatsApp, dass sie hier vor seiner Tür sei und checkte zum Zeitvertreib die Smartphone-Nachrichten. Eine halbe Stunde war vergangen; sie überlegte, einfach zu gehen. Leck mich…

Ein Mann um die 50 kam mit zwei Einkaufstaschen die Treppe herauf, betrachtete sie, offensichtlich verwundert, und stieg eine Treppe höher. Sie hörte die Tür ins Schloss fallen.

Nach einer weiteren halben Stunde, in der sie ständig zauderte, ob sie nicht doch besser gehen sollte, kam der Mann herunter und meinte: „Sie können hier doch nicht ewig warten. Vielleicht kommt er heute gar nicht mehr. Wollen Sie nicht wenigstens einen Tee trinken?“
Nach kurzem Überlegen nahm sie die Einladung an. In der Wohnung, die noch einen alten, aber gut gepflegten Dielenboden hatte, war es heimelig. Sie bekam einen Tee aufgebrüht, der nach Zimt roch, passend zur Vorweihnachtszeit. In einem Käfig am Fenster schmusten zwei Papageien.
„Sie sind gewöhnt, sagte der Mann, „dass ich sie um diese Zeit herauslasse. Stört es Sie?“
„Aber nein“, antwortete sie. Da öffnete der Mann die Käfigtür und sogleich flatterten die Vögel im Zimmer umher, setzten sich hierhin und dorthin. Ein
Vogel, ein Nymphensittich, wie der Mann erklärte, flog auf ihre Schulter und zupfte zart an ihrem Ohrläppchen und einer Haarsträhne.
„Der Vogel mag Sie“, sagte der Mann. „Hier, geben Sie ihm einen Hirsekolben.“
Sie nahm den Kolben und bot ihn dem bunten Vogel an. Der knabberte daran.

„Meine Frau“, erklärte der Mann, „liebte die Vögel. Sie hat sich viel mit ihnen beschäftigt. Aber nun ist sie schon ein halbes Jahr tot. Die Vögel vermissen sie wohl sehr.“
„Das tut mir sehr leid“, sagte sie.

Dann trank sie von dem aromatischen Tee; ein Gefühl von Geborgenheit umfing sie.

Angeregt unterhielten sie sich, während die Vögel um beide herumflogen und ab und zu laut kreischten. „Jetzt ist es genug“, entschied der Mann, klatschte in die Hände und sofort suchten die Vögel ihren Käfig auf.

„Wissen Sie“, sagte der Mann unvermittelt, „am schlimmsten ist, dass ich meine Frau nachts nicht mehr neben mir habe. Immer, wenn ich im Bett nach ihr fühle, spüre ich, da ist nichts. Ich bin allein. Furchtbar allein.“

Nach dem Tee tat sie ihm den Gefallen und trank mit ihm eine Flasche Wein. Plötzlich überkam sie ein seltsames Gefühl und sie fragte: „Wo ist denn Ihr Schlafzimmer?“ Er ging ihr voran.

Als sie sich auszogen, sah sie die dichten schwarzen Haare auf seiner Brust und an seinem Geschlecht. Sie wurde überrollt von einer Welle ungeheurer Zärtlichkeit. Wie sie dann im Bett nebeneinander lagen, fasste sie seinen steifen Schwanz und rieb ihn, bis sich der Samen über ihre Hand ergoss. Der Mann küsste ihre Brüste. Sie duldete seine Finger in ihrer jetzt feuchten Möse und erlebte einen kurzen Orgasmus. Eng umschlungen lagen sie beieinander. Dabei störte sie sich nicht am herben Geruch seines Körpers.

In der Nacht spürte sie ab und zu seine Hand, die nach ihr tastete, ihren Körper streichelte. Als seine Hand wieder einmal ihren Körper suchte, rutschte sie zu ihm hinüber. Sie hatte plötzlich große Lust auf ihn.

Er war wach und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Seine Hände kneteten ihre Brüste, die augenblicklich hart wurden. Er nahm die festen Beeren nacheinander in den Mund, umspielte sie mit der Zunge, saugte und biss vorsichtig hinein. Dann küsste er ihren Mund, dass sie fast keine Luft mehr bekam. Weit spreizte sie die Beine für ihn. Mit einem Ruck stieß er in ihre Möse, die bereits ganz nass war. Tief in ihrem Schoß fühlte sie das starke Glied; sie umklammerte seine Lenden mit den Schenkeln, ließ dann los und bäumte sich ihm entgegen. Nie zuvor hatte sie es so genossen, von einem Mann genommen zu werden. Berauscht fühlte sie den Orgasmus nahen und biss ins Kissen, um nicht laut zu schreien. Ein Orkan durchtobte den Körper und plötzlich war ihr, als versinke sie rettungslos in einem Strudel. Sie hörte den Mann stöhnen und spürte, wie sein Samen in sie strömte. Tränen schossen ihr in die geschlossenen Augen. Er küsste ihr die Tränen weg. Nach einer Weile löste er sich und drehte sich auf die Seite, ihr zugewandt. An ihn geschmiegt überkam sie der Schlaf.

Am Morgen bereitete er ein leckeres Frühstück: Spiegelei auf Schinken. Genauso wie sie es mochte: das Eiweiß etwas kross gebraten und das Eigelb noch flüssig.

Sie küsste ihn zum Abschied, verließ beschwingt die Wohnung und eilte die ächzende Treppe hinunter. Aus dem Fenster winkte ihr der Mann nach. Sie hob die Hand zum Gruß, wandte sich um und ging schnellen Schrittes zur S-Bahn-Station.

In diesem Augenblick wusste sie nicht, ob sie noch einmal dieses Haus betreten würde. Möglich schien es ihr. Vorher ginge sie dann aber in ein Zoogeschäft, um Hirsekolben zu kaufen.

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Der Abend

Sie hatten zu sechst bisher einen schönen Abend verbracht, zuerst in der abendlichen Sonne im Garten, dann im Haus, bei Kerzenschein, der flackernd die Gesichter erhellte. Zu Beginn des Abends zeigten die Gastgeber dem anderen, neu in den Freundeskreis aufgenommenen, Ehepaar ihr Haus. Wie bisher üblich, wollten sie alle darin übernachten.

Froh gestimmt und einander zugetan, führten sie gute Gespräche. Man spürte Harmonie. Die Köstlichkeiten der Küche und der gute Weißwein trugen ein Übriges zur gelösten Atmosphäre bei. Er bemerkte, dass seine Frau von dem neuen Mann fasziniert war. Sie lachte unablässig über seine Witze. Ihre Wangen röteten sich. Je weiter der Abend fortschritt, desto mehr nahmen lächelnde Blicke und unwillkürliche Berührungen zwischen den Frauen und Männern zu. Ihm schien, als sei ein Schleier geheimen Einverständnisses über das seit langem geplante Treffen gebreitet.

Nach Stunden verließ er das Zimmer und trat aus dem Haus hinaus in den gut gepflegten Garten der Gastgeber. Im Schein einer Gartenleuchte sah er seine Frau und den Mann, welchen sie heute kennengelernt hatten, nackt auf dem Rasen liegen. Er streichelte sie, schob seine Hand zwischen ihre Schenkel. Sie seufzte und umarmte ihn. Er war bemüht, mit seinem Knie ihre Beine zu öffnen. Zögernd, fast spielerisch, drehte sie sich mit geschlossenen Knien weg. Er küsste ihren Hals, fuhr mit der Hand über den Rücken zum Hintern und knetete ihn. Dann umfasste er die großen Brüste. Sie wandte sich ihm zu und spreizte weit die Beine. Beim Eindringen des Mannes in ihren Schoß stieß sie einen kleinen Schrei des Entzückens aus. Stürmisch nahm der andere Mann seine Frau. Heftiger, als sie es von ihm selbst gewöhnt war. Wie mit ihm stöhnte sie auch jetzt während des ganzen Aktes wollüstig. Schließlich hörte er ihren wilden Schrei beim Orgasmus, den er so liebte. Erschöpft ruhten sie eng umschlungen.

Während der ganzen Zeit, als er seiner Frau und dem Mann zusah, verspürte er nicht die geringste Eifersucht, sondern empfand sogar ein gewisses Glücksgefühl darüber, wie seine Frau sich dem Anderen voll Lust hingab. Dessen zärtliche Berührungen und ungestümes Drängen genoss, eines Mannes, den sie erst vor Stunden kennengelernt hatte. Sie schenkten einander etwas, was sie ihren Partnern nicht wegnahmen.

Er ging zurück ins Haus. Aus dem Schlafzimmer der Gastgeber, in das diese sich wohl zurückgezogen hatten, hörte er den immer intensiveren erotisierenden Rhythmus von Maurice Ravels „Boléro“. In der Küche sah er die Frau des neuen Paares, welche vor der Spüle stand und das Geschirr vorreinigte. Als sie nach ihrem Mann fragte, beruhigte er sie und versicherte ihr, es sei alles gut. Seine Frau fehle auch schon längere Zeit.

Wie unabsichtlich berührte er die Frau, der er sich jetzt sehr nahe fühlte, nachdem er sie den Abend über mit Interesse beobachtet hatte. Er spürte, wie sie sich beim Streicheln ihres Rückens entspannte, die Zärtlichkeiten des für sie noch fremden Mannes annahm und sich plötzlich, eine Schüssel rutschte ihr aus den Händen, fest an ihn lehnte.

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Drei

Er wusste nicht, was er von dieser Wendung halten sollte. Nach Monaten, in denen er die ihm so überaus sympathische Frau umwarb, von der er mehr als Freundschaft erhoffte, sagte diese plötzlich: Weißt du was, ich besuche Euch. So, als sei ein Widerspruch völlig unmöglich.

Er wusste, dass es das Dümmste war, eine als Geliebte begehrte Frau mit der Ehefrau zusammenzubringen. Aber er wusste nicht, wie er das, gegen den Widerstand der Begehrten, verhindern konnte. So überließ er alles seinem Lauf, bangend, ob dies glatt ginge.

Er schaffte es sogar, seiner Ehefrau den Wunsch der Freundin als seinen eigenen zu vermitteln, so dass diese schließlich, trotz Bedenken, die er nur ahnen konnte, neugierig geworden, zustimmte.

Der Abend verlief harmonisch. Sie hatten sich Mühe gegeben, ihn für die Freundin angenehm zu gestalten. Sowohl, was Essen und Trinken als auch die Musikauswahl, sie liebte die Lieder von Milva, entsprach.

Erstaunt beobachtete er, dass Frau und Freundin sich gut verstanden. Berührte die Freundin ihn gelegentlich, wie er es gewohnt war, wenn sie allein waren, erfolgte keinerlei Reaktion von seiner Frau. Als sei dies völlig normal. Und liebkoste er seine Frau, störte die Freundin sich nicht im Geringsten daran.

Ihm kam es vor, als handelten beide in geheimem Einverständnis, obwohl er sicher war, dass sie noch nie Kontakt miteinander hatten.

Plötzlich begann seine Frau, ihn vor den Augen der Freundin auszuziehen. Dann entkleideten sich auch beide Frauen. Ihn wunderte nichts mehr. Er erwiderte ihre abwechselnden Küsse und zärtlichen Berührungen. Als er völlig nackt vor ihnen stand, mit steifem Schwanz, lächelten sie einvernehmlich und führten ihn gemeinsam ins Schlafzimmer.

Sie ließen sich alle drei aufs Bett fallen. Die gegenseitigen Liebkosungen wurden intimer. Schließlich glitt er zwischen die Schenkel seiner Frau und nahm sie mit tiefen Stößen. Als diese stöhnte und sich im Orgasmus wand, ließ er von ihr ab. Er drehte die Freundin auf den Bauch. Von hinten, ihren festen Hintern bei jedem klatschenden Stoß am Unterleib spürend, ritt er sie, während sie ihn molk, bis sie schrie und ihr Liebessaft seinen Schwanz umspülte. Da konnte er nicht mehr an sich halten und entlud sich in ihr.

Als er morgens erwachte, auf jeder Seite eine tief schlummernde Frau, schätzte er sich unendlich glücklich. Etwas, was er nie gedacht hätte, war geschehen. Weibliche Liebe hatte über jede mögliche Eifersucht gesiegt.

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Ein Mann

Dieser Nachbar war ihr seit längerem aufgefallen. Er schien Inder oder Pakistani zu sein.

Er war ein attraktiver Mann, zweifellos. Braun gebrannt. Jedes Mal, wenn sie ihn im Fahrstuhl traf, sah sie seine schwarzen Augen auf sich gerichtet. Als werde sie von ihnen durchglüht. Das machte sie verlegen, obwohl sie sonst interessierte Blicke von Männern gewöhnt war.

Zudem wohnte er auch noch auf ihrer Etage.
Heute war sie ihm wieder im Fahrstuhl begegnet. Sie hatte eingekauft. Ihm gegenüber stehend und in den Anblick seiner nackten Füße in braunen Ledersandalen versunken, hörte sie sich plötzlich fragen: „Möchten Sie einen Apfel?“
Er schien verblüfft: „Ja, warum nicht?“
Sie kramte aus ihrem Korb einen großen roten Apfel hervor.
Er nahm ihn. „Danke.“
Sie stellte sich vor, wie der Mann mit breiter Hand statt des Apfels ihre Brust umfasste. Sie schloss die Augen. Ihr schwindelte.
„Geht es Ihnen nicht gut?“, fragte der Mann in akzentfreiem Deutsch.
Sie schlug die Augen auf. „Doch, doch. Alles in Ordnung.“
In ihrer Etage angekommen, verabschiedeten sie sich erstmals mit einem Lächeln. Seines schien irgendwie wissend zu sein.

Den ganzen Abend über dachte sie an ihn. Was, wenn sie einfach zu ihm hinüber ginge? Ohne jede Hemmung, ohne falsche Scham? Er war ein Mann, der ihr gefiel.

Sie verließ ihre Wohnung, ließ die Tür ins Schloss fallen und trat vor seine Tür. Erstaunlicherweise war die einen kleinen Spalt geöffnet. Sie betrachtete dies als Einladung und ging hinein. Vom Flur aus hörte sie Geräusche. In der Tür zum Wohnzimmer stehend, bemerkte sie auf der Couch den Mann über einer dunkelhaarigen Frau. Er stieß diese mit einem so großen Schwanz, wie sie selbst ihn sich immer bei einem Mann gewünscht hatte. Er bemerkte sie und sah sie an, ohne dabei von seiner Partnerin zu lassen.

Sie wandte, am ganzen Körper erschauernd, ihren Blick ab und verließ die fremde Wohnung.

Morgen würde sie bei dem Mann klingeln, ihn fragen, wie der Apfel geschmeckt habe und ihm bis in sein Wohnzimmer folgen.